Sunday , February 19 2017

Ola Balogun – Pionier des nigerianischen Kinos

13. bis 19. Januar 2017 im Kino Arsenal | Potsdamer Straße 2 | 10785 Berlin

Im nigerianischen Kino ist der 1945 geborene Ola Balogun eine einzigartige Figur. In den 70er und 80er Jahren prägte er das Filmschaffen seines Landes wie kaum ein anderer und bereitete den Nährboden für den Nollywood-Boom seit Beginn der 90er Jahre.

AJANI-OGUN, 1976

Ola Balogun absolvierte nach einem Literaturstudium die Filmhochschule IDHEC in Paris, wo 1972 auch sein erster Langspielfilm ALPHA entstand. Später kehrte er nach Nigeria zurück, drehte dort, in anderen afrikanischen Ländern und in Brasilien Dokumentar- und Spielfilme. Mangels einer technischen und finanziellen Infrastruktur in Nigeria gründete er seine eigene Produktionsfirma Afrocult Foundation und kümmerte sich selbst um Vorführungen seiner Filme. Es sind oft überbordende Filme voller Leidenschaft, in denen verschiedenste Einflüsse in einzigartiger Weise zusammengebracht werden. Neben dezidiert politischen Filmen, die unter anderem die Freiheitskämpfe gegen die Kolonialmacht und die durch Sklavenhandel entstandenen Verbindungen zwischen Nigeria und Brasilien zum Thema haben, stehen vergnügliche Unterhaltungsfilme, geformt nach dem Vorbild des populären Yoruba Travelling Theatre. Neben Englisch drehte er auch in Yoruba und schuf mit dem leider verschollenen Film Amadi den ersten Film überhaupt in Igbo. Die Musik spielt in all seinen Filmen eine zentrale Rolle und nimmt oft auch eine erzählerische Funktion ein. Immer hatte er mit seinen Filmen den kulturellen und menschlichen Reichtum des afrikanischen Kontinents im Fokus, suchte seinem Land Bilder von sich selbst zu geben. Ola Balogun machte nicht nur Filme, er schrieb auch Bücher und Theaterstücke. Er lebt als Musiker in Benin.

Dass Ola Baloguns Werk heute außerhalb Nigerias weitgehend vergessen ist, hat auch mit dem Überlieferungsstand seiner Filmkopien zu tun, von denen viele verloren sind. Von seinen zehn langen Spielfilmen sind momentan nur fünf verfügbar, viele davon in fragilem Zustand. Dank der Initiative des Filmkollektivs Frankfurt, das 2015 die Filme von Ola Balogun in Frankfurt präsentierte, ist nun erstmals wieder ein großer Teil des filmischen Werks von Balogun zugänglich und in der Cinémathèque française eingelagert. Wir freuen uns sehr, im Arsenal die fünf noch erhaltenen Spielfilme und eine Auswahl seiner kürzeren Dokumentarfilme zeigen zu können.

Für weitere Informationen:

Christine Sievers | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.

030 269 55 143 oder cs@arsenal-berlin.de  | www.arsenal-berlin.de

Kino Arsenal 1 & 2 | Potsdamer Straße 2 | 10785 Berlin

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Mit der preisgekrönten Autorin Okwiri Oduor aus Kenia setzt stimmen afrikas der Reihe mit Gewinner*innen des Caine Prize for African Writing fort. Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Universität Düsseldorf, die insgesamt fünf ausgezeichnete anglophone Nachwuchsautor*innen vorstellt.

Okwiri Oduor / Photo: (c) Chelsea Bieker

OKWIRI ODUOR
mit ihrer Shortstory „My Fathers’s Head“

Mi, 18. Januar 2017 um 19.30 Uhr
im Theater die wohngemeinschaft,
Eintritt 6 €/ erm. 4€

Sami Omar moderiert die zweisprachige Lesung und das Gespräch. Die Studierende der Masterstudiengänge Comparative Studies und Literaturübersetzen der Universität Düsseldorf, Sophia Rings; liest aus ihrer Übersetzung von „My Fathers’s Head“. Azizè Flittner dolmetscht das Gespräch.

Okwiri Oduor wurde 1988 in Nairobi, Kenia geboren. Mit My Father’s Head war sie 2014 Gewinnerin des Caine Prize for African Writing. Im selben Jahr wurde sie als eine der einflussreichsten Schriftstellerinnen der Länder Subsahara Afrikas ausgezeichnet und erhielt ein MacDowell Colony Stipendium in den USA. Derzeit arbeitet sie an ihrem ersten Roman und studiert Kreatives Schreiben an der Universität Iowa.

My Fathers’s Head“
Dass sie sich nicht an ihres Vaters Kopf erinnern kann, beunruhigt und betrübt Simbi sehr. Sie kann sich ganz genau erinnern, wie er raucht, Tee trinkt und Radio hört, vor allem die Welt- und Todesnachrichten. Sie denkt wehmütig daran, wie liebevoll er sie als kleines Kind mit vorgekauten Erdnüssen gefüttert hat. Sie sieht ganz deutlich seinen Körper und sein Gesicht, sie hört auch seine Stimme, aber seinen Kopf kann sie nicht sehen. Das sei normal, meint ihre Arbeitskollegin Bwibo im Altersheim, denn gute Menschen zeigten ihr Gesicht, den Kopf sähe man dabei nicht. Sie solle heimkehren, dann würde sie ihren Vater sehen können, mit seinem Kopf. Sie folgt dem Rat und sieht ihn tatsächlich leibhaftig vor sich, wie an dem letzten gemeinsamen Weihnachten, ehe er von einem Traktor mit Zuckerrohr überfahren wurde.




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